Scilla: Chianalea, das Ruffo-Schloss und die Strände der Costa Viola
Scilla klammert sich an einen Felsen am Südende der Costa Viola, dort wo sich das Tyrrhenische Meer zur Straße von Messina verengt. Der Ort besteht aus drei Teilen, die einander gegenüberliegen und doch verschiedene Rhythmen haben: Chianalea, das Fischerviertel mit den Häusern direkt am Wasser; Marina Grande, der breite Strand unterhalb der Burg; San Giorgio, das obere Viertel rund um die Piazza San Rocco.
Dazwischen, auf dem Sporn zwischen Strand und Altstadtviertel, steht das Ruffo-Schloss, das seit 1533 den Namen der Familie trägt, die hier wohnte, und heute Ausstellungen sowie einen Leuchtturm der Marine beherbergt. Von seiner Terrasse wirkt die sizilianische Küste zum Greifen nah.
Hier hat der Mythos der Odyssee eine genaue Adresse: Skylla auf dem kalabrischen Felsen, Charybdis in den Strudeln vor Messina. Und hier wird der Schwertfisch noch von den passerelle aus gefangen, Booten mit langem Steg am Bug und einem Ausguckmast zum Aufspüren.
Das Ruffo-Schloss und das Viertel San Giorgio
Das Ruffo-Schloss steht auf dem Felssporn, der den Ort in zwei Hälften teilt: auf der einen Seite der Strand von Marina Grande, auf der anderen die Gassen von Chianalea. Jahrhundert, 1808 ging die Anlage an den Staat über. Seit den 1970er Jahren dient das Schloss als Kulturzentrum mit Ausstellungen und Veranstaltungen, ganz oben arbeitet noch ein Leuchtturm der Marine. Der Eintritt kostet 2 Euro, Kinder bis zehn Jahre und Gäste über siebzig zahlen nichts.
Unterhalb der Burg öffnet sich die Piazza San Rocco, das Zentrum des Viertels San Giorgio, des oberen Ortsteils mit dem Rathaus und den Häusern am Hang. Wenige Schritte vom Felsen entfernt steht die Hauptkirche Immacolata mit ihren weißen ionischen Säulen an der Fassade. Unten in Marina Grande steht die Kirche Spirito Santo aus dem 16. Jahrhundert: Sie ist das einzige Gebäude des Ortes, das die Erdbeben von 1783 und 1908 überstanden hat, und bewahrt die Herabkunft des Heiligen Geistes, gemalt von Francesco Celebrano im Jahr 1779.
Chianalea, das Fischerdorf am Wasser
Chianalea ist der älteste Teil von Scilla und zieht sich nördlich der Burg über einige hundert Meter. Die Häuser stehen unmittelbar auf der Uferlinie: Die Fundamente liegen im Wasser, die Mauern tragen Salzspuren, und die Hintertüren öffnen sich auf schmale Treppen hinab zum Meer, wo die Boote wenige Meter von der Schwelle vertäut sind. Zwischen den Gebäuden verlaufen Gassen, kaum zwei Personen breit, von den Einheimischen scale genannt, die wie Kammzähne von der Straße zum Wasser führen.
Der Vergleich mit Venedig fällt hier am häufigsten, und er kommt genau daher: Kanäle gibt es keine, aber eine Wasserstraße schon, und das ist das Meer. Auf einem Spaziergang begegnet man der Kirche San Giuseppe, zwei kleinen Anlegern, zum Trocknen ausgelegten Netzen und einer Reihe von Restaurants mit Holzterrassen über dem Wasser, die im Sommer bis spät geöffnet haben.
Marina Grande, das Meer und das Licht der Costa Viola
Marina Grande ist der Hauptstrand von Scilla und füllt die ganze Bucht südlich der Burg: dunkler Sand mit Kies gemischt, ein Grund, der die ersten Meter sanft abfällt, und eine Fußgängerpromenade über die gesamte Länge. Es gibt Strandbäder mit Liegen und Schirmen sowie breite freie Abschnitte, man findet also auch mit dem eigenen Handtuch einen Platz.
Voraus liegt die Straße von Messina, hier kaum mehr als zehn Kilometer breit: Man sieht die sizilianische Küste, die pendelnden Fähren und an klaren Tagen die Silhouette des Ätna. Der Name Costa Viola stammt von der Farbe, die das Wasser bei Sonnenuntergang annimmt, wenn die Sonne hinter den Äolischen Inseln versinkt und das Meer für ein paar Minuten ins Violette kippt.
Der Mythos von Skylla und Charybdis
Im zwölften Gesang der Odyssee warnt Kirke den Odysseus, dass er auf der Durchfahrt zwischen den beiden Ländern zwischen zwei Gefahren am selben Meeresarm wählen muss. Auf der einen Seite Skylla, das Ungeheuer im Felsen, das Seeleute von zu nah vorbeifahrenden Schiffen reißt; auf der anderen Charybdis, der Strudel, der das Wasser dreimal täglich verschlingt und wieder ausspeit. Odysseus fährt unter dem Felsen hindurch und verliert sechs Gefährten: Daher stammt die bis heute gebräuchliche Redewendung für zwei Übel ohne Ausweg.
Die Geografie hinter der Erzählung ist handfest. Die Straße von Messina ist ein Trichter, in dem zwei Meere mit versetzten Gezeiten aufeinandertreffen: Die Strömungen wechseln mehrmals täglich die Richtung, es bilden sich Wirbel und kalte Auftriebe, und für ein Ruderboot war die Passage tatsächlich eine Prüfung.
Schwertfisch, die Passerelle-Boote und die Küche
Der Schwertfischfang in der Meerenge ist der Grund, warum Chianalea so aussieht, wie es aussieht. Die Boote heißen passerelle: Sie tragen einen etwa zwanzig Meter langen Steg, der über den Bug hinausragt und auf dem sich der Harpunier bewegt, sowie einen sehr hohen Gittermast, von dem aus der Späher die Flosse an der Oberfläche sucht. Gefangen wird ein Fisch nach dem anderen, und laut Gesetz nur vom 1. Mai bis zum 30. September.
Auf dem Teller erscheint der Schwertfisch in allen Formen: in dicken Scheiben vom Grill, alla ghiotta mit Tomaten, Kapern und Oliven, oder als involtini aus dünnen Scheiben, gefüllt mit Brot, Knoblauch und Petersilie. An den Kiosken der Strandpromenade und in den Läden von Chianalea gibt es ihn auch im Brötchen, mit salmoriglio oder mit ’nduja.
Anreise nach Scilla und Parken
Mit dem Auto kommt man über die Autobahn A2 del Mediterraneo, Ausfahrt Scilla, die in wenigen Minuten in den Ort führt; die nächste Ausfahrt Richtung Süden heißt Santa Trada und ist praktisch für die Küste von Villa San Giovanni. Reggio Calabria liegt rund dreißig Kilometer entfernt, Villa San Giovanni etwa zehn, die Fähranleger nach Messina sind also eine Viertelstunde entfernt.
Mit der Bahn hat Scilla einen eigenen Bahnhof an der tyrrhenischen Strecke Battipaglia–Reggio Calabria, bedient von Regionalzügen und einigen Fernverbindungen. Der Bahnhof liegt im oberen Ortsteil: Von dort geht man in wenigen Minuten bergab nach Marina Grande. Der nächste Flughafen ist Reggio Calabria, etwa 30 Kilometer entfernt; Lamezia Terme mit deutlich mehr Verbindungen liegt rund 105 Autobahnkilometer entfernt.
Chianalea ist eine Zone mit Verkehrsbeschränkung, Autos fahren nicht hinein: Man stellt das Fahrzeug außerhalb ab und geht zu Fuß weiter. Von Mitte Mai bis Ende September ist das Parken in den Bereichen Marina Grande und Chianalea gebührenpflichtig; der Parkplatz am Bahnhof weiter oben ist an Augusttagen die einfachste Lösung, wenn sich der untere Ort früh füllt.
Was man rund um Scilla sehen kann
Scilla liegt an einem Ende der Costa Viola, jenes Küstenstreifens zwischen Palmi und Villa San Giovanni, wo das Gebirge fast ohne Ebene ins Meer stürzt. Nach Norden ist die erste Station Bagnara Calabra, ein weiterer Fischerort mit langem Strand und der Tradition der bagnarote, der Frauen, die den Fang trugen und verkauften. Kurz davor liegt Favazzina mit seinem Kieselstrand zwischen zwei Felsvorsprüngen.
Oberhalb der Küste verläuft der Sentiero del Tracciolino, die alte Kammstraße, die Scilla und Bagnara mit den auf Trockenmauern angelegten Weinterrassen verbindet: die Wanderung, um zu begreifen, wie steil diese Küste ist. Richtung Süden erreicht man in einer halben Stunde mit Auto oder Zug Reggio Calabria, wo das Archäologische Nationalmuseum die Bronzen von Riace bewahrt und die Uferpromenade Sizilien aus noch geringerer Entfernung ansieht.
Übernachten: Ferienwohnungen in Scilla und an der Costa Viola
Scilla zeigt sich am besten, wenn die Tagesgäste abgereist sind: Abends leert sich die Uferpromenade, die Lichter von Chianalea gehen über dem Wasser an und der Ort findet zu seinem eigenen Rhythmus zurück. Dafür muss man hier oder wenige Minuten entfernt übernachten, und eine Ferienwohnung passt dazu am besten: eigene Küche für den morgens gekauften Fisch, keine festen Zeiten, Platz für mehr als zwei Personen.
Unsere Häuser an der Costa Viola, zwischen Scilla, Bagnara und Palmi, reichen von Zweizimmerwohnungen für Paare bis zu Apartments mit mehreren Schlafzimmern für Familien und Gruppen, viele davon nur wenige Schritte vom Strand. Von hier sind die Meerenge, der Aspromonte und Reggio Calabria als Tagesausflug erreichbar. Prüfen Sie die Verfügbarkeit für Ihre Daten und senden Sie uns eine direkte Anfrage: Wir helfen Ihnen, die passende Unterkunft für Ihren Aufenthalt zu finden.
Häufige Fragen zu Scilla
Was kostet der Eintritt ins Ruffo-Schloss in Scilla?
Das normale Ticket kostet 2 Euro. Kinder bis zehn Jahre und Gäste über siebzig zahlen nichts.
Erreicht man Scilla mit der Bahn?
Ja. Scilla hat einen Bahnhof an der tyrrhenischen Strecke zwischen Battipaglia und Reggio Calabria, bedient von Regionalzügen. Der Bahnhof liegt im oberen Ortsteil, von dort geht man in wenigen Minuten hinab zum Strand.
Wo parkt man im August in Scilla?
Die Flächen in Marina Grande und Chianalea sind von Mitte Mai bis Ende September gebührenpflichtig und früh belegt. Der Parkplatz am Bahnhof weiter oben bleibt die bequemste Lösung.
Wann wird San Rocco in Scilla gefeiert?
Der Schutzpatron wird am 16. August gefeiert, die Festtage ziehen sich über mehrere Tage, mit Prozessionen durch Chianalea, Marina Grande und San Giorgio und Feuerwerk über dem Meer.
Wann besucht man Scilla am besten?
Im Juni und September: Das Meer ist schon oder noch warm, der Ort ist belebt, aber nicht überfüllt, und ein Platz am Strand oder auf der Straße ist deutlich leichter zu finden als im Juli und August.
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