Ein langes Wochenende an der Costa Viola: Palmi, das Meer und der Aspromonte in drei Tagen
Es gibt einen Abschnitt Kalabriens, an dem die Berge nicht sanft ins Meer übergehen – sie stürzen hinein. Das ist die Costa Viola, und wenige Kilometer bergauf führen vom Sand der Tonnara in die Buchenwälder des Aspromonte. Drei Tage genügen, um sie zu verstehen, nie, um ihrer müde zu werden. So verbringen Sie ein langes Wochenende zwischen Palmi, seinem Meer und dem Berg, der von oben herabblickt.
Tag 1: Palmi, der Balkon über der Meerenge
Beginnen Sie in Palmi, das die Einheimischen "den Balkon über der Meerenge" nennen – und das ist wörtlich gemeint. Der Monte Sant'Elia fällt über vierhundert Meter steil ins Meer ab, und vom Aussichtspunkt reicht der Blick bis zu den Äolischen Inseln: Stromboli raucht an klaren Tagen am Horizont, Sizilien liegt zum Greifen nah. Lassen Sie sich am Vormittag Zeit. Die Altstadt erkundet man am besten zu Fuß, zwischen der Casa della Cultura mit den Werken des Schriftstellers Leonida Repaci und der Tradition der Varia, dem fast zwanzig Meter hohen Prozessionswagen, der jeden August auf Schultern durch die Straßen getragen wird – ein Ritus, der so tief verwurzelt ist, dass er zum UNESCO-Erbe zählt.
Am Nachmittag geht es hinunter ans Wasser. Der Strand der Tonnara und die Marinella sind das meistfotografierte Gesicht der Costa Viola: Wasser, das binnen weniger Meter von Türkis zu tiefem Blau wechselt, und der berühmte Scoglio dell'Ulivo, der dort wie ein Wegweiser steht. Das ist kein Meer nur zum Sonnenbaden – nehmen Sie Maske und Flossen mit, denn der Meeresgrund belohnt hier die Neugier. Und wenn möglich, bleiben Sie bis zum Sonnenuntergang. Der Name "Costa Viola" – Violette Küste – ist keine Erfindung des Marketings: Es ist die wahre Farbe, die das Meer annimmt, wenn die Sonne hinter der Meerenge versinkt.
Tag 2: Scilla, Bagnara und die Dörfer am Meer
Der zweite Tag folgt der Küste nach Süden und ist vielleicht der landschaftlich schönste. Erste Station ist Bagnara Calabra, Heimat des Schwertfischs und des Torrone, wo man noch vom Fischfang mit der "passerella" erzählt und von den Booten mit den hohen Masten, um die Fische zu erspähen. Dann Scilla – und hier muss man wirklich anhalten. Das Castello Ruffo krönt den Felsen, der laut Homer das von den Seefahrern der Meerenge gefürchtete Ungeheuer verbarg. Darunter ist das Viertel Chianalea ein Fischerdorf, dessen Häuser direkt aus dem Wasser steigen: engste Gassen, an Türschwellen vertäute Boote, Restaurants, in denen der Fisch aus dem Meer kommt, das Sie durch das Fenster sehen.
Strandliebhaber finden in Scilla die Marina Grande – weit, golden, ideal für einen langen Aufenthalt. Wer lieber schlendert, verliert sich in aller Ruhe in den Treppengassen von Chianalea, einem jener Orte, die kein Foto einfängt: Man muss ihn langsam erleben, am besten mit einem Tisch für den Sonnenuntergang. Von Scilla aus scheinen an Sommerabenden die Lichter Siziliens am anderen Ufer zum Greifen nah.
Tag 3: Der Aspromonte: vom Meer zum Berg in einer Stunde
Der dritte Tag schlägt einen ganz anderen Ton an. Von der Küste zum Aspromonte ist es kaum mehr als eine Autostunde, und doch wirkt es wie eine andere Welt: Das Blau der Meerenge weicht Buchen- und Tannenwäldern und der kühlen Luft auf tausend Metern. Wer Beine und Lust hat, steuert Pietra Cappa an, den größten Monolithen Europas, einen Sandsteinblock, der wie eine Kathedrale aus Fels aus dem Wald ragt. Für eine leichtere Wanderung gibt es die Maesano-Wasserfälle, in gut einer halben Stunde zu Fuß erreichbar, oder die Panoramawege des Monte Sant'Elia, die den Blick erneut auf die Costa Viola lenken.
Doch der Aspromonte ist mehr als Natur. Er ist auch das gräkanische Gebiet, in dem einige Dörfer noch das Griechische Kalabriens sprechen, ein Erbe der Magna Graecia. Pentedattilo lohnt die Reise: ein Geisterdorf, das sich an einen Felsen klammert, der die Form einer fünffingrigen Hand in den Himmel zeichnet – in den 1970er-Jahren verlassen und heute mit Handwerksläden und kleinen Museen neu belebt. Das ist der schönste Abschluss des Wochenendes: zu begreifen, dass Meer und Berg hier nicht zwei verschiedene Urlaube sind, sondern dasselbe Land aus zwei Höhen betrachtet.