Die Grotta dei Mulini von Sant’Anna di Seminara: die Schlucht mit Wasserfall zwischen den Olivenbäumen

Versteckt zwischen den Olivenhainen von Sant’Anna, einem kleinen Ortsteil von Seminara im Hinterland der Costa Viola, ist die Grotta dei Mulini einer der überraschendsten Naturorte Kalabriens: eine in den Fels gegrabene Schlucht mit rund zwanzig Meter hohen, von Vegetation bedeckten Wänden, die man erreicht, indem man zu Fuß das Bett eines Baches hinaufgeht. Am Ende des Canyons sammelt sich das Wasser der alten Quellen des Dorfes in einem Süßwasser-Wasserfall, der die Schlucht wie ein Amphitheater abschließt.

Der Name kommt nicht von ungefähr: Jahrhundertelang trieb dieses Wasser die Mahlsteine der Mühlen und die Pressen der Ölmühlen des Tals an, bis in die 1950er Jahre. Die Schlucht, die 2018 von Antonio Casella zusammen mit dem Geologen Nicola Mari bekannt gemacht wurde, besucht man heute mit dem örtlichen Verein Terramala, zwischen Mühlenruinen, jahrhundertealten Olivenbäumen und Wegen, die zweitausend Jahre Geschichte erzählen, von der römischen Via Popilia bis zu den Basilianermönchen. In diesem Guide finden Sie, was es zu sehen gibt, wie die Wanderung abläuft, die Geschichte des Ortes und alle praktischen Informationen.

Eine geheime Schlucht zwischen den Olivenbäumen: was Sie in der Grotta dei Mulini sehen

Die Schlucht öffnet sich plötzlich, nach einem Bachabschnitt, den man etwa hundert Meter im flachen Wasser hinaufwatet. Die Felswände steigen rund zwanzig Meter auf, bedeckt mit Moos, Farnen und Vegetation, die das Licht filtert: eine feuchte, kühle Umgebung selbst im Hochsommer, die sich weit entfernt anfühlt von den sonnigen Olivenhainen direkt davor. Am Ende der Wasserfall: ein Süßwassersturz, der die Quellen von Sant’Anna sammelt und die Schlucht mit seinem Rauschen erfüllt.

Wer sie bekannt gemacht hat, nennt sie Grotte, und das ist kein Fehler: Laut Antonio Casella und dem Geologen Nicola Mari, die sie 2018 erkundet und dokumentiert haben, war die Höhle ursprünglich wohl geschlossen; ihr Gewölbe soll im Laufe der Jahrhunderte eingestürzt sein und den offenen Canyon hinterlassen haben, den man heute durchquert. Es ist ein kleines Naturheiligtum abseits der Touristenrouten: keine Kassen, keine Stege, nur Wasser, Fels und Stille.

Der Weg: von der Kirche San Luigi zum Bach

Die Wanderung beginnt bei der Kirche San Luigi, der ältesten von Sant’Anna, neben der die historische Quelle Acqua Lontana entspringt. Von hier führt der Weg durch die Olivenhaine, an den Ruinen einer alten Wassermühle vorbei und durch ein Waldstück hinunter zum Bachbett: Das letzte Stück geht man im Wasser, stromaufwärts bis zum Eingang der Schlucht und zum Wasserfall.

Der Weg ist nicht lang, sollte aber nicht unterschätzt werden: Das Bachbett ist rutschig, die Route ist nicht markiert, und der Eingang der Schlucht ist allein schwer zu finden. Deshalb besucht man sie am besten in Begleitung des Vereins Terramala, der das Gebiet kennt und die Wanderungen organisiert, oft zusammen mit dem CAI (Italienischer Alpenverein) von Reggio Calabria und den Wandervereinen der Umgebung. Man braucht geschlossene Schuhe, die nass werden dürfen, Wechselkleidung und etwas Trittsicherheit: Dafür schenkt das Tal einen der authentischsten Winkel des Hinterlands der Costa Viola.

Warum sie Grotta dei Mulini heißt: das Wasser, das das Tal antrieb

Der wahre Reichtum von Sant’Anna war schon immer das Wasser. Früher zählte das Dorf rund zehn Quellen, deren Wasser in einen natürlichen Kanal geleitet wurde, der das Tal hinabfloss. An diesem Kanal arbeiteten bis in die 1950er Jahre vier Ölpressen und zwei Mühlen: Die Mahlsteine machten aus Weizen Mehl, die Pressen pressten die Oliven der Gegend, in einem der ertragreichsten Olivenölgebiete Italiens. Von diesen sechs Betrieben hat die Schlucht ihren Namen.

Mit der Ankunft des elektrischen Stroms wurden Wassermühlen und Pressen aufgegeben, und das Tal wurde wieder still. Heute trifft man am Weg auf die Ruinen einer Mühle, deren Steinmauern von der Vegetation zurückerobert wurden: ein Stück ländlicher Archäologie, das von einer verschwundenen Wirtschaft erzählt, als jeder Tropfen Quellwasser eine Aufgabe hatte, bevor er das Meer erreichte.

Sant’Anna und Terramala: zweitausend Jahre Geschichte an der Via Popilia

Sant’Anna ist kein gewöhnliches Dorf. In römischer Zeit war es als Decastidium bekannt, eine Station an der Via Popilia, der großen Straße aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., die Capua mit Reggio verband: Die Reisenden machten hier gerade wegen des Wasserreichtums Halt. Von den zehn historischen Quellen sind die Quelle Basilicò, die Martara und vor allem Acqua Lontana neben der Kirche San Luigi erhalten; nach lokaler Überlieferung fließt ihr Wasser im Sommer kühl und im Winter mild, und über Generationen war sie Waschplatz und Treffpunkt des Dorfes.

Der heutige Name kam mit den Basilianermönchen, die in diesen Tälern die Verehrung der heiligen Anna verbreiteten. Der ganze Landstrich, der vom Dorf zum Fluss Petrace hinabführt, heißt Terramala: Hier lebten die italo-griechischen Eremiten, und hier wurden zwischen dem Ende des 15. und dem Beginn des 16. Jahrhunderts die berühmten Schlachten von Seminara zwischen Franzosen und Spaniern geschlagen. Von diesem Namen hat der Verein des Dorfes seinen eigenen genommen.

Was es in der Umgebung zu sehen gibt: Seminara, die Keramik und die Costa Viola

Die Wanderung zur Schlucht lässt sich gut mit einem halben Tag in den Dörfern verbinden. Wenige Minuten entfernt liegt Seminara, die Heimat der kalabrischen Keramik: Werkstätten, in denen die apotropäischen Masken mit den grotesken Gesichtern entstehen, das Keramikmuseum, die Madonna degli Angeli von Antonello Gagini und das Heiligtum der Madonna dei Poveri; im Sommer beleben die tanzenden Riesen Mata und Grifone die Straßen. Nicht weit entfernt liegt Melicuccà, das Dorf des Dichters Lorenzo Calogero und der basilianischen Erinnerungen.

In einer halben Autostunde geht es schließlich hinunter ans Meer der Costa Viola: Palmi mit dem Strand La Marinella und dem Monte Sant’Elia, dem natürlichen Aussichtsbalkon über der Straße von Messina. Das ist das Schöne an diesem Winkel Kalabriens: Am Morgen wandert man durch eine Süßwasserschlucht, am Nachmittag schwimmt man in einem der schönsten Meere Italiens.

Anreise, beste Zeit und Unterkunft

Sant’Anna ist ein Ortsteil von Seminara, an der Straße hinauf nach Melicuccà. Mit dem Auto verlässt man die Autobahn A2 del Mediterraneo bei Palmi oder Gioia Tauro und folgt den Schildern nach Seminara und dann nach Sant’Anna: Von Palmi braucht man etwa eine halbe Stunde. Die günstigsten Bahnhöfe sind Palmi und Gioia Tauro an der Tyrrhenischen Linie; die Flughäfen sind Lamezia Terme und Reggio Calabria.

Die beste Zeit reicht vom späten Frühjahr bis zum frühen Herbst, wenn der Bach weniger Wasser führt und die Schlucht an heißen Tagen Kühle spendet. Nach starkem Regen sollte die Wanderung verschoben werden: Der Bach schwillt schnell an. Zum Übernachten verbinden die Ferienhäuser zwischen Seminara, Palmi und der Costa Viola Hinterland und Meer im selben Urlaub: Dörfer und Wege am Morgen, Strand am Nachmittag.

Häufige Fragen zur Grotta dei Mulini

Ist die Grotta dei Mulini eine echte Grotte?
Nicht ganz: Es ist eine offene Schlucht mit rund zwanzig Meter hohen Wänden. Laut denen, die sie 2018 dokumentiert haben, war sie ursprünglich wohl eine geschlossene Höhle, deren Gewölbe im Laufe der Jahrhunderte einstürzte; der Name «Grotta» ist geblieben.

Wie anspruchsvoll ist die Wanderung?
Die Strecke ist kurz, aber das letzte Stück geht man rund hundert Meter im Bachbett, auf rutschigem Grund. Man braucht keine Bergsteigerfähigkeiten, wohl aber Trittsicherheit und etwas Wandererfahrung.

Kann man sie allein besuchen?
Davon ist abzuraten: Die Schlucht ist nicht markiert, und der Eingang ist schwer zu finden. Am besten schließt man sich einer geführten Wanderung des Vereins Terramala aus Sant’Anna an, der die Besuche auch zusammen mit dem CAI von Reggio Calabria organisiert.

Wann sieht man den Wasserfall am besten?
Vom späten Frühjahr bis zum frühen Herbst, wenn das Wasser niedriger ist und die Temperatur in der Schlucht angenehm. Nach starkem Regen schwillt der Bach an, und die Tour sollte verschoben werden.

Was sollte man mitbringen?
Geschlossene Schuhe mit guter Sohle, die nass werden dürfen (oder Wasserschuhe), komplette Wechselkleidung, Wasser und einen leichten Rucksack. Im Sommer auch ein Handtuch: Das Wasser des Wasserfalls ist kalt, aber die Versuchung, sich abzukühlen, ist groß.

Ist sie für Kinder geeignet?
Das Stück im Bach verlangt Gleichgewicht und festen Stand: Für wandergewohnte Kinder ist es ein kleines Abenteuer; für die Kleinsten fragt man besser vorab die Begleiter des Vereins nach dem Wasserstand.